Hans Schulz Nachfolger

Im Jahr 1910 übernahmen Wilhelm Götte und Wilhelm Selck das Atelier von Hans Schulz am Neuen Markt 5. Zu Hans Schulz siehe: http://werner0304.alfahosting.org/wordpress/?page_id=3923

Rostocker Anzeiger, 23.11.1910

Wilhelm Selck, geb. 1874 in Rostock, war Sohn eines Schiffszimmermanns. Wilhelm Götte wurde 1883 im hessischen Korbach geboren.
Wie Hans Schulz fertigten Götte und Selck zunächst Porträts verschiedener Formate auf Untersetzkartons.

Visitformat

Kabinettformat. Rückseite blanko.

Das Bild wurde Anfang der 1910er Jahre aufgenommen. Die abgebildeten Kinder starben bald danach, im Alter von elf bzw. fünf Jahren.

1917 datiert. Rückseite blanko

Die Zeit des 1. Weltkriegs war das Ende der Fotos auf Pappkatons. Die Fotopostkarte setzte sich durch.
Dazu der rückseitige Stempel:

1918 gelaufen

Und noch zwei Beispiele aus dem Atelier, vermutlich aus den 1920er Jahren:
Es wurden auch Sonderformate gefertigt:

Auf Karton montiert. Rechts unten handschriftlich signiert: H. Schulz Nachf., Rostock

Rostock-Sammler kennen die Firma Hans Schulz Nachfolger von den vielen Ansichtskartenmotiven, insbesondere von Rostocker Gaststätten und Hotels.
Rückseitig waren die Karten entsprechend bedruckt:
oder so:
Hier nun ein früher Beleg:

Wintergarten, 1912 gelaufen

Von kaum einem anderen Restaurant Rostocks existieren derart viele Postkarten wie vom Wintergarten in der Breiten Straße. Hier noch zwei weitere Beispiele aus dem Hause Schulz Nachf.:

1933 gelaufen

und noch ein Ausschnitt der Rückseite:
Ebenfalls schon in den 1910er Jahren arbeiteten Götte und Selck im Rostocker Umland.

Gruß aus Schwaan. 1914 gelaufen

In der Zeit der Weimarer Republik haben Götte und Selck mehrfach den mecklenburgischen Großherzog Friedrich Franz IV. und Gefolge in der Sommerresidenz Jagdschloss Gelbensande fotografiert. Das ist beachtlich, denn dies gelang zuvor den Rostocker Hofphotographen Best, Steenbock etc. anscheinend nie.

In der Mitte Kronprinzessin Cecilie, rechts Großherzogin Alexandra, daneben Friedrich Franz IV.

Die Hochzeit von Herzog Adolf Friedrich zu Mecklenburg und Elisabeth zu Stolberg-Roßla, 1924

aus einer Wochenendbeilage des Rostocker Anzeigers im Oktober 1932

Die 1920er Jahre waren für Berufsfotografen wirtschaftlich schwierig.
Hier noch ein paar Beispiele von relativ wenigen überlieferten Porträtfotografien aus dieser Zeit, beginnend mit einem Bild, das anscheinend in der Wohnung der Porträtierten aufgenommen wurde.

Auf Karton montiert. Rechts unten handschriftlich signiert: H. Schulz Nachf. Rostock

um 1930

Plattdeutscher Verein Eek, Rostock. Um 1930

Wie bei den Aufnahmen zum Großherzog bereits ersichtlich, lieferte Schulz Nachf. auch Bilder an den Rostocker Anzeiger, insbesondere für die Rostocker Illustrierte, die Wochenendbeilage der Zeitung:

Die Teilnehmer der A.D.A.C.-Deutschlandfahrt in Rostock. Die Fahrer der Strecke Berlin-Rostock am Ziel vor der Rampe des Stadttheaters. Rostocker Illustrierte. Wochenendbeilage des Rostocker Anzeigers, ohne Datum, März 1925

Nun zwei Aufnahmen von der Rostocker Werbeschau im März 1925, die in der Ausstellungshalle am Mühlendamm stattfand. Zuerst ein Bild des Standes der Dresdner Zigarettenmarke Salem. Die Tabakmoschee des Herstellers Yenidze in Dresden hat die Zeiten überdauert, die Produktion der Marke Salem No. 6 wurde 2016 eingestellt. Im Bildhintergrund ist eine Werbung des Optikers Krille zu erkennen: Ist´s die Brille, geh zu Krille.

Rostocker Illustrierte. Wochenendbeilage des Rostocker Anzeigers, ohne Datum, März 1925

Und noch ein Beispiel von der Messe, diesmal mit Werbung des Brunnenbaugeschäfts Friedrich Niemann, für Feuerlöscher von Minimax, die vom Kaufmann Albert Schröder vertrieben wurden sowie für Robert Zarges, der Automobile von Audi, Horch und N.S.U. und Motorräder von N.S.U., Ardie und Triumpf verkaufte.

Rostocker Illustrierte. Wochenendbeilage des Rostocker Anzeigers, ohne Datum, März 1925

Jetzt einige Bilder vom Plattdeutschen Volkstag, einem Volksfest mit Brauchtumsbezug, das von 1920 bis in die 1930er Jahre stattfand. Bestandteil war jeweils ein Umzug zum Hauptort des Geschehens, der Rennbahn am Barnstorfer Wald. (Dort steht heute das Parkhaus an der Schillingallee/ Ecke Kopernikusstraße.)

Rostocker Illustrierte. Wochenendbeilage des Rostocker Anzeigers, 13.7.1930

Rostocker Illustrierte. Wochenendbeilage des Rostocker Anzeigers, 17.07.1932

Und noch zwei Beispiele aus dem Jahr 1936, eine Innenaufnahme von Mahn & Ohlerichs Keller und eine Aufnahme eines Ehepaares, das Goldene Hochzeit feierte. Derartige Jubiläumsaufnahmen fanden sich fast jedes Wochenende in der Rostocker Illustrierten.

Rostocker Illustrierte. Wochenendbeilage des Rostocker Anzeigers, 09.08.1936

Rostocker Illustrierte. Wochenendbeilage des Rostocker Anzeigers, 09.08.1936

Die Herren Götte und Selck waren in den 1920er und 1930er Jahren weiterhin auch im Umland tätig. Nachfolgend einige Ansichtskarten:

Kinder-Erholungsheim der Betriebskrankenkasse der Berliner Straßenbahn-Betriebs-GmbH, Ostseebad Graal i.M., Spielplatz und Esssaal. 1929 gelaufen

Waldeck bei Schwaan, Genesungsheim. 1932 gelaufen

Gutshaus Niekrenz, 1940 beschrieben

Krug Gr. Lüsewitz, Wilhelm Lange. Ungelaufen

Im Jahr 1934 wurde für Fotografen die Innungspflicht eingeführt. Hans Schulz Nachf. wurde Mitglied der Photographen-Innung Mecklenburg.
Und dazu noch die Vorderseite:

Mit dem Nationalsozialismus gab es auch wieder mehr Aufträge vom Militär.

Parade am 20. April 1936

Das Aufmarschgelände ist die Rennbahn an der heutigen Kopernikusstraße, damals Adolf-Hitler-Straße. Im Hintergrund sind die Bauten an der Kopernikusstraße und am Dürerplatz, damals Danziger Freiheit, zu erkennen.

Bleiben noch die Postkarten aus den 1920er bis 1940er Jahren mit Ansichten von Rostock, insbesondere Rostocker Gaststätten. Wir beginnen im Osten der Stadt.

Gasthof zum Weißen Kreuz. 1929 gelaufen

1928 gelaufen

Von dort zum Hauptbahnhof zum Bahnhofshotel an der Bismarckstraße, heute Gerhart-Hauptmann-Straße.

1940 gelaufen

Jetzt Richtung Norden zum Hotel Mecklenburger Hof, später Gastmahl des Friedens, am Steintor.

spätestens 1935

Gleich in der Nähe in der Steinstraße 16 die Weinhandlung von Franz Geccelli.

1937 gelaufen

Sehr viele Motive gibt es vom Ratskeller.

Ratskeller, Jungfrauengemach. 1937 gelaufen

Ratskeller, Kleiner Saal, 1934 gelaufen

Ratskeller, Trojan-Nische

Der Rostocker Hof war in den 1930er Jahren kein Einkaufszentrum sondern ein Hotel.

Empfangsraum

Weinrestaurant

Am Doberaner Platz befand sich das Etablissement Valencia, später Trocadero.

1928 gelaufen

Valencia-Tanzpalast

Und weiter durch die Doberaner Straße zur Mahn & Ohlerichs Keller.

1932 gelaufen

Nicht weit entfernt befindet sich die Philharmonie.

1928 gelaufen

Und von dort in Richtung Barnstorfer Wald, zum Sport-Palast an der Parkstraße.

1929 gelaufen

1927 gelaufen

Dann an die Satower Chaussee, heute Satower Straße, zum Kaffeestübchen.

1927 gelaufen

Durch den Barnstorfer Wald nach Norden, zum Restaurant Bismarckhöhe, später Platz der Jugend.

1929 gelaufen

1935 gelaufen

Und noch ein Stück nach Norden zur Strempelstraße in die Klause des Westens, heute Restaurant Bombay.

Und nun noch aufs Dorf, nach Biestow, Gasthof zum Bauernhaus.

1937 gelaufen

Nach dem vielen Holzgestühl jetzt noch einige andere Ansichten. Es bleibt zunächst ländlich.

Kirchplatz Gehlsdorf, wohl 1920er Jahre

Vom Gehlsdorfer Ufer wurde die Silhouette Rostocks aufgenommen.

1940 gelaufen

Nun zwei Ansichtskarten mit Innenaufnahmen aus Rostocker Kirchen.

Klosterkirche

Nikolaikirche

Und noch zwei Motive aus der Steintor-Vorstadt:

Haus Eilers. St.-Georg-Str. 101. 1928 gelaufen

Die folgende Aufnahme der Stephanstraße 6 ist betitelt mit Baltenhaus. Die Verbindung Baltia hat 1935/36 das abgebildete Haus von Richard Siegmann übernommen. Siegmann war Jude und ging, nachdem er seinen Posten als Direktor der Rostocker Straßenbahn AG verloren hatte, Ende 1935 nach Berlin.

Mit den Nationalsozialisten kam bald auch der Krieg.
Wilhelm Selck starb bei einem Fliegerangriff auf Rostock im September 1941, Wilhelm Götte erlebte noch, wie das Atelier bei den Bombardements im April 1942 zerstört wird und stirbt bald darauf im Juli 1942.

Neuer Markt 2-6. Foto: Ernst Grunwald

Im Haus in der Bildmitte befand sich im Dachgeschoss das Atelier. Über dem Hauseingang ist noch der Schriftzug Foto-Schulz zu erkennen.