Nikolaus Nissen

Über Nikolaus Nissen müsste man eigentlich keinen Artikel über sein Wirken in Rostock schreiben, denn er war weniger als ein Jahr in der Stadt, frühestens von Oktober 1862 bis spätestens Juli 1863. Da sich einige Schriftstücke über den Herrn im Rostocker Stadtarchiv erhalten haben, die Anlass zu mehr oder weniger wilden Spekulationen geben, wollen wir uns Herrn Nissen widmen. Der Nebel beginnt schon bei der Schreibweise des Vornamens: Nikolaus oder Nicolaus oder Nikolai oder Nikolay, alle Varianten sind vertreten.
Im Oktober, spätestens November 1862 übernahm Nissen das Atelier am Burgwall 15 von Fritz Kluth. Vorausgegangen war ein gemeinsamer Antrag von Kluth und Nissen vom 07.10.1862 an den Rat, in dem kurzfristig um „Ertheilung des Aufenthaltsconsenses“ für Nissen gebeten wurde, da Kluth eine Stelle (wohl nicht als Fotograf) in Wien in Aussicht hatte. Nissen wird in dem Antrag als Hofphotograph Sr. Königlichen Hoheit des Prinzen Friedrich Carl von Preussen, aus Potsdam kommend, vorgestellt.

Rostocker Zeitung, 09.11.1862

Gleich vier Fotografen warben in obigen Anzeigen um die Kundengunst. Steffens machte sogar eine Preisangabe. Leider erschließt sich nicht, was für 32 Schilling geliefert worden wäre.
Nissen verzichtete in dem Inserat auf den Hofphotographentitel. Das könnte daran liegen, dass Mecklenburg-Schweriner und Preußen in den 1860er Jahren nicht die besten Freunde waren.

Rostocker Zeitung, 12.04.1863

Rostocker Zeitung, 12.04.1863

Und in dieser Anzeige gab sich Nissen als Berliner aus.
In den Berliner Adressbüchern findet sich ab 1860 aber kein Nikolaus Nissen. Das Potsdamer Adressbuch von 1863 weist hingegen einen Fotografen Nissen in der Waisenstraße 53 aus. Und es gibt auch bildliche Belege:

N. Nissen, Hof-Photograph in Potsdam. Visitformat

N. Nissen, Hof-Photograph in Potsdam. Visitformat

Bei dem nächsten Bild ist nicht klar, ob Nissen der Fotograf war, aber die Adresse stimmt.

Photogr. Atelier POTSDAM, Waisen-Str. 53. Visitformat, Rückseite blanko

Photogr. Atelier POTSDAM, Waisen-Str. 53. Visitformat, Rückseite blanko

Wenn Nissen wirklich Hoffotograf war, stellt sich die Frage, warum er Potsdam verließ. 1862/1863 waren lediglich fünf Fotografen in Potsdam ansässig. Ein Hofprädikat war enorm verkaufsfördernd, eine preußisches jedoch nicht unbedingt in Mecklenburg. In Rostock warb Nissen auch auf den Untersetzkartons nicht mit dem Hofprädikat.

N. Nissen. Photographische Anstalt. Rostock. Burgwall 15. Visitformat

N. Nissen. Photographische Anstalt. Rostock. Burgwall 15. Visitformat

N. Nissen. Photographische Anstalt. Rostock. Burgwall 15. Visitformat

N. Nissen. Photographische Anstalt. Rostock. Burgwall 15. Visitformat

Auf dem Bild ist mit Bleistift der abgebildete Junge benannt. Es ist Paul Kayser, Jahrgang 1858. Sein Vater Carl Kayser war von Beruf Pantoffelmacher. Er hatte mehrere Gesellen in Anstellung, gehörte wahrscheinlich zu den wohlhabenderen Pantoffelmachern und konnte sich die Anfertigung von Fotografien leisten. Auch er selbst ging mehrfach zum Fotografen.

Im März 1863 warb Nissen für die Anfertigung von Stereoskopen, was für diese Technik wirklich früh war.

Rostocker Zeitung, 15.03.1863

Rostocker Zeitung, 15.03.1863

In der kurzen Rostocker Zeit senkte Nissen mehrfach die Preise, von drei Talern für das Dutzend Visitenkarten auf zwei Taler innerhalb von vier Monaten.

Rostocker Zeitung, 18.01.1863

Rostocker Zeitung, 18.01.1863

Rostocker Zeitung, 22.04.1863

Rostocker Zeitung, 22.04.1863

Rostocker Zeitung, 17.05.1863

Rostocker Zeitung, 17.05.1863

Am 19. Juli 1863 bewarb sich Louis Mankiewicz um eine Aufenthaltserlaubnis in Rostock um Übernahme des Ateliers von Nissen. Der hatte mittlerweile die Stadt verlassen und 340 Taler Schulden hinterlassen. Im Oktober 1863 unternahm Friedrich Prestin gleich mehrfach denselben Versuch wie Mankiewicz. Ebenfalls ohne Erfolg. Zu diesem Zeitpunkt hatte Hartwig Klodt sein Atelier von der Großen Wasserstraße 8 an den Burgwall 14 verlegt. Wahrscheinlich hatte Nissen für seine Aufnahmen ein Glashaus im Hof aufgestellt. Es kann sein, das Klodt dieses Haus übernahm. Am Burgwall 15 ließ sich jedenfalls kein Fotograf mehr nieder.

Nikolaus Nissen siedelte sich spätestens 1865 in Danzig an. Dort hatte sein Sohn gleichen Namens bereits im April 1862 im Stadtteil Langefuhr ein Atelier eröffnet. Dieses bestand bis 1864/65. ImMai 1865 inserierte Nissen senior im Danziger Intelligenz-Blatt : „Nicolay Nissen, Hof-Photograph Sr. Königl. Hoheit des Prinzen Friedrich Carl v. Preussen, Vorstädtischen Graben No. 50, empfiehlt sich zur Anfertigung von Photographien jeder Grösse (vom Medaillon, Visitenkarte bis zum lebensgrossen Portrait), landschaftlichen und architectonischen Gegenständen, Copien nach Oelgemälden und Daguerreotypen, sowie Anfertigung von stereogrammen jeder Art und verbindet damit die Versicherung einer reellen und billigen Bedienung.
Danzig, den 22. Mai 1865.“

Im September 1866 starb Nikolaus Nissen senior. Sein Sohn verließ 1867 Danzig und arbeitete anschließend in Memel, Pillau und Allenstein.

Photographisches Atelier von Nikolay Nissen. Memel. Alexander-Str. 2. Visitformat

Photographisches Atelier von Nikolay Nissen. Memel. Alexander-Str. 2. Visitformat

Many thanks to Ireneusz Dunajski

 

 

 

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