Sanitätsrat Dieckhoff

Die Fotografien, die mich zu der folgenden Familiengeschichte gelangen ließen, stammen aus dem Nachlass von Christian August Wilhelm Dieckhoff, der am 15.10.1869 in Rostock geboren wurde.

Christian und seine Mutter Emma Dieckhoff, wohl 1871. Fotograf: Emil Tesch, Schwerin.

Christian und seine Mutter Emma Dieckhoff, geb. Mommsen, wohl 1871. Fotograf: Emil Tesch, Schwerin.

Das Familienoberhaupt war August Wilhelm Dieckhoff, Professor für Theologie und Konsistorialrat.

August Wilhelm Dieckhoff. Um 1880. Fotograf: H. Kinder, Rostock.

August Wilhelm Dieckhoff. Um 1880. Fotograf: H. Kinder, Rostock.

Dieckhoff senior, geb. 1823, studierte Theologie in Göttingen, wo er 1854 Professor wurde. An der Theologischen Fakultät in Rostock wurde er 1860 Professor für Kirchengeschichte, Dogmengeschichte, Enzyklopädie, Katechetik und Pastoraltheologie. Im Sommersemester 1887 war Dieckhoff Rektor der Universität. 1894 starb er in Rostock. Dieckhoff war zweimal verheiratet. Seine zweite Frau war Ottilie, geb. Stannius, Jahrgang 1846. Ihr Vater war der Mediziner, Zoologe, Anatom und Physiologe Hermann Stannius. Er war von 1837 bis 1862 an der Rostocker Universität tätig und ein angesehener Wissenschaftler. Wirklich glücklich war er hier aber nicht. Hier ein Beispiel aus dem Jahr 1849: „Man ist hier in Rostock in Bezug auf die neuesten literarischen Erscheinungen in trauriger Lage; sie kommen leider oft sehr spät, auch wohl gar nicht. Überhaupt fehlt Communication. So bleibt Manches liegen, weil man nicht sicher weiß, ob wirklich neu, oder in Verlegenheit geräth, wenn es mitzutheilen sein dürfte.“

Christian hatte mindestens fünf Geschwister, von vieren sind Bilder erhalten:

Erna Dieckhoff, geb. 1858. Um 1895. Fotograf: Raphael Peters, Rostock.

Erna Dieckhoff, geb. 1858. Um 1895. Fotograf: Raphael Peters, Rostock.

Emma Dieckhoff. Um 1895. Fotograf: Raphael Peters, Rostock.

Emma Dieckhoff. Um 1895. Fotograf: Raphael Peters, Rostock.

Emma, wohl mit ihren Söhnen Emil und Karl im Jahr 1903. Fotograf: Franz Tellgmann, Kassel.

Emma, mit ihren Söhnen Emil und Karl im Jahr 1905/06 (Die Prägung „1904“ rechts unten auf dem Bild stimmt nicht, da Emil 1905 geboren wurde)  Fotograf: Franz Tellgmann, Kassel.

Wilhelm Dieckhoff, geb. 1867. Fotograf: J. B. Schriever, Emporium, Pennsylvania

Wilhelm Dieckhoff, geb. 1867, als Prediger in den USA tätig. Fotograf: J. B. Schriever, Emporium, Pennsylvania

Clara Dieckhoff, Diakonissin in Ludwiglust. Fotograf: Louis Wrede, Ludwigslust.

Clara Dieckhoff, Diakonie-Probeschwester. Um 1890. Fotograf: Louis Wrede, Ludwigslust.

Christian Dieckhoff studierte Medizin, 1888/89 in Rostock, 1890/91 in München, 1892 wieder in Rostock. Von einigen Kommilitonen und anderen Bekannten aus der Studienzeit hat Dieckhoff Fotos aufbewahrt:

Max Grohmann stammte aus Wittenförden, studierte 1891 Medizin in München. Fotograf: Edmund Behncke, Schwerin.

Max Grohmann stammte aus Wittenförden, studierte 1891 Medizin in München. Fotograf: Edmund Behncke, Schwerin.

Fritz Helmbold aus Gotha studierte 1891/92 Medizin in München. Fotograf: W. Zink, Gotha

Fritz Helmbold aus Gotha studierte 1891/92 Medizin in München. Fotograf: W. Zink, Gotha

Adolf Wildfang aus Boizenburg studierte im WS 1890/91 Jura in Rostock. Fotograf: Oscar Roloff, Berlin

Adolf Wildfang aus Boizenburg studierte im WS 1890/91 Jura in Rostock. Fotograf: Oscar Roloff, Berlin

Amandus Mie war geborener Rostocker und studierte in Erlangen, Lepzig und Rostock Theologie. Fotograf: Alfred Naumann, Leipzig

Amandus Mie war geborener Rostocker und studierte in Erlangen, Lepzig und Rostock Theologie. Fotograf: Alfred Naumann, Leipzig

1893 wurde Dieckhoff approbiert und war bis 1895 Assistent an der Medizinischen und Chirurgischen Klinik der Rostocker Universität am Gertrudenplatz, deren Direktor zu dieser Zeit Professor Thierfelder war. 1894 promovierte Dieckhoff mit „Beiträgen zur Pathologie der Pancreas mit besonderer Berücksichtigung der Diabetes-Frage“.

Zeitgleich war Richard Gagzow Assistenzarzt an der Augenklinik. Ihn kannte Dieckhoff spätestens seit 1890. Der letzte fotografische Gruß stammt von 1919 aus Lübeck, wo Gagzow viele Jahre als Augenarzt tätig war.

Richard Gagzow, 1890. Fotograf: Ant. Stankewitz, Erlangen

Richard Gagzow, 1890. Fotograf: Ant. Stankewitz, Erlangen

Richard Gagzow mit Kind, 1895. Fotograf: Friedrich Sewohl, Rostock

Richard Gagzow mit Kind, 1895. Fotograf: Friedrich Sewohl, Rostock.

Richard Gagzow, 1919, Automatenfoto, Abbildung vergrößert.

Richard Gagzow, 1919, Automatenfoto, Abbildung vergrößert.

Vom Universitätskrankenhaus am Gertrudenplatz fanden sich diese Amateuraufnahmen im Nachlass:

Garten der Klinik. Amateuraufnahme

Pause in Schröders Ruh, dem Garten der Klinik. Amateuraufnahme

Auf dem Klinikgelände. Im Hintergrund sind zwei Giebel Teile des Daches der Anatomie zu erkennen. Amateuraufnahme.

Sogenannter Diphteritispavillon auf dem Klinikgelände, 1890 errichtet. Im Hintergrund sind zwei Giebel Teile des Daches der Anatomie zu erkennen. Amateuraufnahme.

Auf dem Flurstücksplan von 1911 ist das Gebäude gut zu erkennen:gertrude

Als Christian Dieckhoff 1895 Rostock verließ, nahm er sich einige Kabinettfotos mit Stadtansichten von Rostock und Umgebung zur Erinnerung mit.

Neue Wallstraße, 1893. Fotograf: Raphael Peters, Rostock

Neue Wallstraße, 1893. Fotograf: Raphael Peters, Rostock

Ständehaus, 1894. Fotograf: Raphael Peters, Rostock

Ständehaus, 1894. Fotograf: Raphael Peters, Rostock

Warnemünder Mole. Fotograf: Friedrich Miede, Rostock

Warnemünder Mole. Fotograf: Friedrich Miede, Rostock

Steinerner Windschutz, unbekannter Ort. Fotograf: Friedrich Miede, Rostock

Steinerner Windschutz, unbekannter Ort. Fotograf: Friedrich Miede, Rostock

Heiligendamm. Fotograf: Benjamin Beckmann, Doberan und Heiligendamm

Heiligendamm. Fotograf: Benjamin Beckmann, Doberan und Heiligendamm

Christian Dieckhoff spezialisierte sich auf die Psychatrie; war nach 1895 als Assistenzarzt an verschiedenen Nervenheilanstalten tätig und übernahm 1900 die ärztliche Leitung der Heilanstalt St. Gilgenberg bei Bayreuth.

Die folgenden Aufnahmen des Bayreuther Fotografen August Müller zeigen die Heilanstalt.
73-dieckhoff-bayreuth-mueller-kab-Kopie45-dieckhoff-bayreuth-mueller-kab-Kopie72-dieckhoff-bayreuth-kab-Kopie 1905 wurde die Anstalt geschlossen. St. Gilgenberg lag/liegt in Donndorf. Das Anstaltsgebäude steht noch und dient heute als Rathaus der Gemeinde Eckersdorf, zu der Donndorf gehört.

Die folgenden Jahre lassen sich bildlich und textlich nicht belegen.

Im Jahr 1926 stirbt Sanitätsrat Christian Dieckhoff im bayrischen Streitberg.

wahrscheinlich Christian Dieckhoff, Ferrotypie, wohl nach 1900

wahrscheinlich Christian Dieckhoff, Ferrotypie, wohl nach 1900

Dank an das Stadtarchiv Bayreuth.

Quellen:
Eintrag von „August Wilhelm Dieckhoff“ im Catalogus Professorum Rostochiensium,
URL: http://cpr.uni-rostock.de/metadata/cpr_person_00000446
Eintrag von „Hermann Stannius“ im Catalogus Professorum Rostochiensium,
URL: http://cpr.uni-rostock.de/metadata/cpr_person_00000997
Wilhelm Stieda: Hermann Stannius und die Universität Rostock 1837-1854 In: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde, Band 93. Schwerin 1929
Gustav Willgeroth: Die Mecklenburgischen Ärzte von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart. Schwerin 1929
A. F. Lorenz: Die Universitätsgebäude zu Rostock und ihre Geschichte. Rostock 1919

 

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