Rudolf Spach

Rudolf Spach wurde 1871 im pommerschen Stolp geboren.
Im Jahr 1900 findet sich Rudolf Spach erstmals im Rostocker Adressbuch, mit einem Atelier in der Langen Straße 64. Dieses Atelier war 1879 von Friedrich Miede begründet worden und hatte dann mehrfach den Betreiber gewechselt. Vor Rudolf Spach wurde es zwei Jahre von Paul Gürschner Nachfolger geführt. Wie dieser Nachfolger hieß, ist nicht bekannt.
Bereits im Jahr 1900 zieht Spach an den Doberaner Platz in die Doberaner Straße 154 und schon im Jahr 1903 wieder zurück in die Lange Straße 64. Deshalb lässt sich nicht immer genau bestimmen, ob ein Foto mit dem Aufdruck Lange Straße 64 in den Jahren 1899/1900 entstand oder zwischen 1903 und 1908.
Die Lange Straße sah 1899 ganz anders aus als heute. Die Hausnummer 64 befand sich etwa dort, wo heute die Nummer 5 ist. Zur Orientierung: Die Warnow-Apotheke hat die Nummer 6.

Rostock. Oberlandesgericht und Lange Straße. Ansichtskarte

Das große Haus rechts im Bild ist das Oberlandesgericht, davor biegt die Badstüberstraße in Richtung Hafen ab. Das Haus hinter dem Oberlandesgericht ist die Nummer 64. Wenn man sich viel Mühe gibt und den Inhalt erahnen kann, lässt sich das Werbeschild von Rudolf Spach erkennen:

Ausschnitt aus obiger Karte. Werbeschild rot markiert

Auf dem Schild lässt sich lesen: Photographie Rud. Spach.

Visitformat
Visitformat

Die Gestaltung der Kartons ist nahezu identisch, auf dem Bild der jungen Frau steht neben der Hausanschrift noch das Wort Parterre.

Visitformat

Obiges Visitformat ist bereits im Atelier am Doberaner Platz aufgenommen worden, wobei die Kartons aus der Langen Straße noch nachgenutzt wurden. Auf der Kartonrückseite lässt sich im oberen Blumenschmuck die Bedruckung der ursprünglichen Vorderseite erkennen:

Ausschnitt aus obigen Visitformat

Das Atelier am Doberaner Platz befand sich – wie auf der Bildrückseite zu lesen – nahe der Friedrichstraße, nur vier Häuser neben dem Atelier von Friedrich Sewohl.

Visitformat

Sewohl und Spach verlassen 1903 den Doberaner Platz. Rudolf Spach zieht zurück in die Lange Straße 64. Dort nutzt er dann die Kartons vom Doberaner Platz weiter.

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Ausschnitt der Rückseite obigen Fotos. Rechts ist zu erkennen: Rostock, Doberaner Platz 154

Es ist auffällig, dass sich unter den erhaltenen Fotos relativ viele Abbildungen mit Konfirmantinnen befinden.

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Sonderformat

Auch Außenaufnahmen sind von Rudolf Spach überliefert. Meine älteste Ansichtskarte zeigt das Waldrestaurant Barnstorf an der Satower Chaussee und ist 1906 gelaufen.

Waldrestaurant Barnstorf. Ansichtskarte, 1906 gelaufen
Hotel zur Sonne. Fritz-Reuter-Keller. Ansichtskarte, 1909 gelaufen

Im Jahr 1908 zieht Rudolf Spach wieder um, diesmal nur drei Häuser weiter in die Lange Straße 67 und fotografiert weiterhin Konfirmantinnen.

Prinzessformat

Auf der Rückseite wird eine „Ehrenvolle Anerkennung Sr. Hoheit des Herzogs Johann Albrecht zu Mecklenburg, Regent des Herzogtums Braunschweig“ erwähnt.

Visitformat. Rückseite wie zuvor

Mit dem Ende der auf Karton gezogenen Fotografien scheint bei Rudolf Spach auch die Personenfotografie zu enden. Fotopostkarten mit Menschen sind mir nicht bekannt.
Lediglich ein großformatiges Bild ist noch überliefert, das wohl zu einer Theateraufführung entstand.

Rechts unten mit Prägung: R. Spach, Rostock

Wo das Foto aufgenommen wurde, ist nicht bekannt, im Hintergrund ist Werbung für die Rostocker Brauerei Jancke zu erkennen:

Ausschnitt

Die ältesten Motive von Rudolf Spach aus dem Rostocker Stadtbild stammen aus einer Zeit, als er noch gar nicht in Rostock tätig war. Es sind Reproduktionen von Bildern anderer Urheber. Und diese Reproduktionen wurden zu DDR-Zeiten von Foto-Eggers nochmals reproduziert.

Blick in die Fischbank. Original von Raphael Peters, rechts unten die Prägung von Spach

Der Fotograf stand um 1890 ungefähr auf der Höhe, wo sich heute der Kindergarten befindet.

Steinstraße 1. Um 1890. Fotograf unbekannt. Rechts unten Prägung von Spach

An der Stelle des Herren-Garderobe-Geschäfts von Theodor Voss wurde bald darauf das Ständehaus errichtet. Rechts im Bild ist die Gewerbeschule zu erkennen, auf dem nächsten Foto noch besser.

Steinstraße 2. Gewerbeschule, um 1925. Rückseitig gestempelt

Rudolf Spach verwendete ab den 1910er/1920er Jahren oft folgenden Stempel:

Stempel, vergrößerte Darstellung

Wohl um 1910 fotografierte Spach die Kaiserliche Post am Rosengarten.

Rückseitig gestempelt

Von Innenaufnahmen der Marienkirche haben sich Fotografien und Ansichtskarten erhalten.

Hauptaltar. Rückseitig gestempelt
Rochusaltar. Rechts unten geprägt
Astronomische Uhr. Ansichtskarte, 1913 gelaufen.

Und weiter gehen wir mit Rudolf Spach von St. Marien in Richtung Kröpeliner Tor.

Kröpeliner Straße. Rückseitig gestempelt.

Aufgrund der Werbung der Ladeninhaber lässt sich das Bild auf einen Zeitraum von Mitte der 1910er bis Ende der 1920er Jahre datieren. Welche Geschäfte sind denn zu erkennen?
Das Haus rechts war die Kröpeliner Straße 42 und gehörte zur Zeit der Aufnahme Franz Schurig, der dort Modewaren verkauft. Im Haus daneben befand sich das Hotel Deutsches Haus und Kaiser´s Kaffeegeschäft. Und in der Nummer 40 hatte Ulrich Reinholdt sein Fotoatelier, J. Neumann handelte mit Zigaretten und das Schuhhaus Wüst mit Schuhen der Firma Max Tack.

Die Vulkanisieranstalt im zweiten Haus von links befand sich in der Hausnummer 3 und gehörte wahrscheinlich zum Fahrrad- und Nähmaschinenhandel von Franz Dreyer. Dahinter steht eine Uhr auf sieben vor sieben. Diese ist Werbung des Uhrmachers Paul Schwieger in der Nr. 4. Daneben wirkten Klempnermeister Willers und der Friseur Carl Beddies. Die Werbung für ein Lager feinster Stahlwaren, mit der Abbildung eines Rasiermessers, gehörte zum Messerschmiedemeister Ernst Giebel in der Kröpeliner Straße 6.

Kloster zum Heiligen Kreuz und Klosterkirche. Rückseitig gestempelt.
Oberwall und Kröpeliner Tor. Rückseitig gestempelt.

Und dasgleiche Motiv als Ansichtskarte:

Fotopostkarte, ungelaufen. Prägung im Druck übernommen. Rückseitig Angabe zur Autorenschaft.
Vor dem Kröpeliner Tor. Rückseitig gestempelt.

Rechts oben im Bild lässt sich eine Vielzahl dünner Striche erkennen. Es sind Telefonleitungen.

Ausschnitt
Anatomisches Institut der Universität Rostock. Ansichtskarte. Rückseitig Angabe zur Autorenschaft.
Rostock. Vom Gehlsdorfer Ufer. Rückseitig gestempelt.
Kaffeestübchen und Klubhaus des R.S.C. von 1895. Ansichtskarte, 1929 gelaufen. Rückseitig Angabe zur Autorenschaft

Und noch einmal ans andere Ende der Stadt:

Kirche zu Toitenwinkel. Ansichtskarte. Rückseitig Angabe zur Autorenschaft

Während Aufnahmen gastronomischer Einrichtungen bei Rudolf Spach eher unterrepräsentiert sind, so sind relativ viele Karten von Schiffen überliefert. Dazu drei Beispiele:

Feuerschiff Gjedser. Ansichtskarte, 1930 beschrieben. Rückseitig Angabe zur Autorenschaft
Seebäderdampfer „Kronprinz“. Ansichtskarte, 1928 gelaufen. Rückseitig Angabe zur Autorenschaft
Seebäderdampfer „Bismarck“. Ansichtskarte
Rückseite obiger Ansichtskarte

Und auch in Rostocks Umgebung ist Spach unterwegs.

Boltenhagen. Evangelisches Erholungsheim Amalie Sieveking-Haus. Ansichtskarte, rückseitig Angabe zur Autorenschaft
Gelbensande. Großherzogliches Jagdschloss. Ansichtskarte, 1926 gelaufen. Rückseitig Angabe zur Autorenschaft
Kavelstorf. Ansichtskarte, 1910 gelaufen. Rückseitig Angabe zur Autorenschaft

Zum Schluss noch einige biografische Daten.
Rudolf Spach heiratet, kurz nachdem er sich in Rostock niedergelassen hat, die gebürtige Rostockerin Ida Rahtz (1876-1940). Aus der Ehe gehen drei Kinder hervor. Ida Spach ist selbst berufstätig. Mehrfach kann man in den 1910er Jahren folgende Annonce in den Rostocker Zeitungen lesen:

Rostocker Anzeiger, 07.01.1913

Rudolf Spach ist aktives Mitglied des Verbandes Mecklenburgischer Photographen, dem Berufsverband der Fotografen. Zeitweilig ist er Vorstandsmitglied. Anfang der 1930er Jahre ist Spach im Vorstand des Rostocker Militärvereins.
1933 zieht Spach in die Lange Straße 61. Wohl nach dem Tod von Ida Spach zieht Rudolf Spach nach Güstrow, wo er am Neujahrstag 1945 stirbt.